Worum geht es hier? Künftig sollen im 2-Wochen Rythmus Glossar-Artikel und Anekdoten rund um den Fußball veröffentlicht werden.

Maccabi und Hapoel

06. Juli 2008

Wer sich die Ligat Al, die oberste israelische Fußballliga anschaut, wird verwundert feststellen: Da haben ja alle Vereine den gleichen Namen. Oder genauer: Die heißen entweder Hapoel oder Maccabi. Dieses hat einen einfachen Grund. Die meisten israelischen und auch jüdischen Sportvereine sind aus der Maccabi-Bewegung hervorgegangen, aus der sich später die Hapoel-Bewegung abspaltete …

Die Maccabi–Bewegung

Die Geschichte der jüdischen Sportbewegung begann 1895, als im heutigen Istanbul von deutschen Juden der Israelitische Turnverein Konstantinopel gegründet wurde. Die Gründung kam zustande, weil die deutschen Sportvereine in Konstantinopel jüdische Sportler ausschlossen. 1898 beschloss der ständige Ausschuss des Zweiten Zionistischen Kongresses (der Zionismus war die Bewegung, die auf einen jüdischen Staat in Palästina hinarbeitete), die Gründung jüdischer Sportvereine zu fördern. Durch die Förderung der physischen Stärke junger Juden sollte die Idee der Jüdischen Nation gestärkt werden. In der Folge wurden viele Vereine in Europa gegründet.

Zu diesem Zeitpunkt hießen die Vereine allerdings noch nicht Maccabi, sondern entweder naheliegende Namen wie Jüdischer Sportverein oder aber hebräische Namen wie Hakoach (Die Stärke).
Auch wenn die zahlreichen Gründungen jüdischer Sportvereine schon zur Maccabi-Bewegung gezählt werden, so wurde die Sportvereinigung Maccabi selber erst 1911 in Tel Aviv gegründet. Der Name leitet sich von den Makkabäern ab, einem Priestergeschlecht, von dem 168 v.Chr. die Makkabäeraufstände gegen die seleukidische Fremdherrschaft ausginge, die in der Eroberung Jerusalems und der Reinigung des Tempels endeten (hieran erinnert übrigens das Chanukka-Fest). Die starke Verbindung zwischen Sport und Zionismus lässt sich also auch am Namen der Bewegung erkennen. 1921 folgte dann auf dem Zwölften Jüdischen Weltkongress die Gründung der Maccabi World Union, ebenfalls in diesem Jahr gründete sich die deutsche Maccabi-Vereinigung. Die Ziele der Maccabi World Union war,

die Förderung des physischen Trainings, der Glaube an jüdische Kultur und die jüdische Nation, und aktiv am Wiederaufbau unseres (des jüdischen) Staates und der Bewahrung unseres Volkes zu arbeiten.
Trotz des Zionismus verstand sich Maccabi jedoch als eine unpolitische Bewegung. Am bekanntesten ist Maccabi heute wohl für die Austragung der Maccabiah, auch Jüdisches Olympia genannt. Tausende jüdische Sportler aus aller Welt nehmen an diesem Sportfest in Israel teil.

Hapoel – die Arbeitervereine

Wie bei allen großen Vereinigungen blieb auch bei Maccabi interner Streit nicht aus. In den Zwanziger Jahren kam es zu Klassenkämpfen innerhalb von Maccabi, die Arbeiterbewegung warf Maccabi vor, sich zu sehr an den Interessen des Bürgertums auszurichten und plante deshalb, eine eigene Sportvereinigung zu gründen. 1926 schließlich wurde der erste Verein gegründet, Hapoel Haifa. Der Name ergibt sich sehr leicht, Hapoel heißt nichts anderes als Der Arbeiter. Arbeitervereine, die vorher in Maccabi organisiert waren, schlossen sich der Hapoel-Bewegung an.

Die schwierige Zusammenarbeit zwischen beiden Organisationen

Als Maccabi in den 20ern die Israelische Fußball Vereinigung (Hitachdut HaKaduregel) gründete, zeigte sich, warum es zur Spaltung zwischen Maccabi und Hapoel gekommen war. Maccabi wollte ereichen, dass die Hitachdut der FIFA beitrete. Da nur nationale Verbände beitreten durften, musste Maccabi wohl oder übel alle Sportverbände im britischen Mandatsgebiet einladen, so dass auch Hapoel an der Gründung der Hitachdut mitarbeitete. Allerdings war Hapoel Mitglied der Internationalen Arbeitersportunion und die FIFA erlaubte nicht, dass ihre Mitglieder auch anderen Organisationen angehörten. Gleichzeitig wollte Hapoel auch nicht der FIFA beitreten, da sie ihnen zu sehr auf das Profitum im Fußball ausgerichtet wäre. Schließlich konnte man sich aber noch einigen.
Inzwischen tauchen solche Probleme nicht mehr auf, da sich die Bindungen zwischen Hapoel und den Gewerkschaften gelockert haben. Viele Hapoelvereine sind inzwischen selber Profivereine oder gar im Besitz privater Investoren.

Weitere Sportvereinigungen in Israel

Neben Maccabi und Hapoel gibt es noch weitere Sportvereinigungen in Israel. Eine davon ist Betar, die 1923 als politische Jugendorganisation begann und später im Sport eine Möglichkeit zur Verwirklichung ihrer Ziele sah (u.a. Sport als Mittel, um kräftige, junge Männer für's Militär heranzuziehen). Anfangs war der sportliche Teil von Betar noch Teil von Maccabi, 1935 kam es jedoch zum Bruch, weil die Mitglieder von Betar nicht in ihren braunen Trikots, die an Mussolinis Faschisten erinnerten, an der zweiten Maccabiah teilnehmen durften, worufhin sie ihre Teilnahme ganz absagten. Betars eigene Sportorganisation, die daraufhin gegründet würde, erreichte jedoch nie die Größe von Maccabia oder Hapoel. Ihr bekanntester Verein ist Betar Jerusalem.
Eine weitere Organisation ist Elitzur, die ursprünglich gegründet wurde, um zionistische Einheiten unter dem Deckmantel des Sports ausbilden zu können. Bald aber entwickelte sich daraus eine eigene Sportorganisation, die in den meisten Sportarten relativ erfolgreich wurde – außer im Fußball, da auch in Israel die Fußballspiele traditionell am Samstag, also am Sabbat stattfinden, was für die sehr religiöse Elitzur nicht annehmbar war.
Alle vier bisher genannten Vereinigungen sind nicht nur im Sport, sondern auch in kulturellen Bereichen tätig, zum Beispiel bei der Integration von Einwanderern. Es gibt jedoch eine fünfte, wirklich unpolitische Organisation die sich nur um Sport kümmert: Die 1953 gegründete Akademische Sportvereinigung.


Autor: Groffelmoff
Quellen: Website der Maccabi World Union (www.maccabiworld.org), Newsletter der israelischen Botschaft Berlin (berlin.mfa.gov.il/), www.jewishagency.org, Israel Ministry of Foreign Affairs (www.mfa.gov.il/MFA)

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